Bunte Karten aus aller Welt stapeln sich auf dem Schreibtisch von Monika L. und sie haben eines gemeinsam: Sie sind nicht zustellbar. Die Absender vergaßen bei ihren Grüßen an die Lieben daheim nämlich das Wichtigste: die richtige Anschrift.
"Macht nichts, bekomme ich heraus", sagt die Post-Detektivin. Zusammen mit sieben weiteren Adressfahndern erlebt sie im größten deutschen Briefzentrum in Hamburg Stress der besonderen Art: Bis zu 4000 falsch adressierte Karten und Briefe aus der ganzen Welt werden in der so genannten Nachschlagestelle derzeit täglich bearbeitet.
Die herrenlosen Sendungen haben es in sich: "Mal fehlt die Straße, oder der Nachname, es werden Postleitzahlen erfunden, und alles, was man falsch schreiben kann, wird auch falsch geschrieben", klagen die Spezial-Fahnder. Gelegentlich versuchen die Absender, mit einer Skizze den Postboten auf den richtigen Weg zu bringen, andere weisen auf eine nahe gelegene Kneipe als Orientierung hin oder flehen einfach: "Bitte, lieber Postbote, machen Sie es möglich, dass die Karte ankommt."
12 000 unzustellbare Sendungen am Tag
Die Post-Detektive machen es möglich, in zwei Schichten zwischen 7 Uhr und 21.30 Uhr, dass die Post beim Empfänger landet. Das Wichtigste Hilfsmittel ist ein computergestütztes Adressverzeichnis. Aber auch Straßenkarten und Telefonbücher werden zur Recherche eingesetzt. Monika L. hält zusätzlich eine Tafel mit Sütterlin-Schrift und ein Verzeichnis der Banken für schwierige Fälle parat.
Der Zeitaufwand für eine Sendung kann beträchtlich sein: "Manche Anschriften sind in ein paar Minuten ermittelt, es kann aber auch mal eine halbe Stunde dauern." Gerade im Urlaub scheint eine fehlende Anschrift die Reisenden nicht am Verschicken von Ansichtskarten zu hindern. Laut Post-Statistik senden 75 Prozent der Urlauber Ansichtskarten, und jeder davon bringt es im Schnitt auf immerhin sieben Stück. Da es aber viele mit der Anschrift nicht so genau nehmen, sorgen sie dafür, dass bundesweit täglich 12 000 unzustellbare Sendungen auflaufen.
Etwa 95 Prozent der "unabbringlichen Sendungen", wie sie im Postdeutsch heißen, erreichen dank der Fahnder schließlich doch ihr Ziel. Während unzustellbare Postkarten nach drei Monaten vernichtet werden, landen Briefe in der Sonderermittlungsstelle in Marburg, wo sie geöffnet werden dürfen, um den Empfänger oder den Absender zu ermitteln. Übrigens sind auch das Bundeskanzleramt und die Ministerien in Berlin von der Nachlässigkeit der Schreiber betroffen. Denn vielen genügt als Adresse "An den Bundeskanzler". Kein Problem, kommt an", sagen die Post-Detektive. Das gelte auch für immer noch zahlreiche Sendungen in die Ex-DDR. |